Teambuilding in Rekordzeit

Was denken Sie wie lange es dauert, dass 21 Menschen zu einem Team geformt werden? Ein halbes Jahr? 2-3 Monate?

Es geht auch in 10 Minuten!

Folgende Voraussetzungen müssen dazu vorliegen:

>>> Eine Führungsperson. Ein Mensch mit Charisma, Ausstrahlung, der die Führung übernehmen möchte und von allen, ja: ALLEN! akzeptiert wird. Sicher der schwierigste Part, da unter so vielen Menschen sicher mehrere sogenannte „Alphas“ gibt, also „Industrie Kapitäne“, Leinwandstars, Rudel Anführer.

>>> Ein oder zwei Spezialisten. Nicht zu viele, da bekanntlich zu viele Köche den Brei verderben. Allerdings muss im Team jemand vom Fach sein und das, was erledigt werden soll, wirklich gut kennen. Idealerweise schon Jahrelang praktisch ausgeübt. Der Spezialist benötigt auch noch die Fähigkeit, das was zu tun ist in positiver, motivierender Form weitergeben zu können. Wenn dieser das nicht kann, sollte der Projektleiter das Fachwissen „übersetzen“.

>>> Weitere 18 bzw. 19 Menschen, die das gemeinsame Ziel ebenfalls erreichen wollen. Aus welchen Gründen auch immer. Wem das Ziel nicht klar ist bzw. nicht interessiert, sollte das (Projekt-) Boot erst gar nicht betreten. Das Team muss akzeptieren, sich für die Sache unterzuordnen und das Ego außen vor zu lassen.

Folgende Story dazu:

Teambuilding DrachenbootrennenIch wurde zu einem Drachenboot-Rennen eingeladen. Als einer von 21 „Spezial-Guests“ war mir nicht bewusst, was da auf mich zukommen würde. Bis auf meinen Schwager kannte ich keinen der restlichen Leute. Nachdem sich alle untereinander vorstellten war klar, dass sich kaum jemand von woanders kennt.

Wir erhielten Schwimmwesten zu unserer Sicherheit und gingen zum Boot. Wir sollen gegen zwei weitere Teams fahren. Das eine Team bestand aus Mitarbeitern eines regionalen Radiosendes und das zweite Team war kein geringeres als Championsleague-Teilnehmer und Spitzenmannschaft des SK Aich/Dob. Eine der besten Volleyballmannschaften Mitteleuropas. Sehr einschüchternd, wenn man an den durchtrainierten 2m-Hühnen vorbei marschiert.

Wir hatten Glück. In unserem Team befand sich ein Ruderer. Er informierte alle über die Besonderheiten des Ruderns und auf was es dabei ankommt. „Ich sitze vorne und gebe den Takt an. Der Dahintersetzende orientiert sich immer an den Vordermann“, erklärte der Spezialist nachvollziehbar.

Eine Dame übernahm die Führung. Sie wurde uns zugewiesen um das Boot zu Steuern. Sie gab die Befehle, wie das Paddel zu halten ist, damit ins Wasser zu stechen ist und mit welcher Bewegung das Paddeln durchgeführt wird. Sie machte das ruhig und gelassen.

Die ersten Kollegen stiegen bereits ins Boot, als eines der beiden anderen Boote nach lautem Aufschrei mit dem Rumpf nach oben zu erkennen war. Das Volleyballteam machte im Testlauf den Fehler, die Oberkörper zu stark seitlich zu bewegen und kippten um, erfuhren wir im Nachgang. Das zollte noch mal zusätzlichen Respekt in das wackelige Gefährt.

Aich-Dob LogoDurch das Missgeschick der, nach den blau-gelben Vereinsfarben angemalten, Super-Sportler, konnten wir die Zeit nutzen um zwei kleine Runden zu drehen und dabei den Rhythmus zu finden. Es geht gleich mal recht flott voran, wenn 20 Paddel das Boot nach vorne treiben. Keine 10 Minuten später warteten unsere zwei Gegner und wir am zugewiesenen Startplatz auf das Zeichen um loszulegen. Teambuilding abgeschlossen.

Der Mann am Ufer mit der gelben Fahne schwang den Wimpel nach unten und es ging los. Unser Boot katapultierte sich regelrecht aus der Start-Position und ein Blick auf die Nachbarboote zeigte, dass wir nach wenigen Metern sofort voran lagen. Hammer-Start!

Das Boot des Radiosenders war ebenfalls gut in Schuss und kam uns immer näher. Die Volleyballer hatten noch zu viel Respekt vor einem weiteren R-Ausfall und kamen kaum weiter. Auch deswegen, weil der Taktgeber zu langsam agierte. Zur Hälfte des Rennens war klar, die holen heute keinen Sieg mehr. Zumindest nicht in diesem Rennen.

Das letzte Drittel lag noch vor uns und das Boot der Radiomacher hatte uns bereits eingeholt und lag wenige Zentimeter vor uns. Ich merkte, wie lang 60 Sekunden sein können, wenn man in so einem Boot paddelt. Die Kräfte ließen bereits nach. Ich war nicht der Einzige der bemerkte, dass wir eingeholt wurden. Ein Ruck ging durchs Boot und wir wurden schneller. Das Unglaubliche passierte und wir schafften es doch tatsächlich mit nur wenigen Zentimetern Vorsprung das Rennen als Sieger zu beenden! Die Goldmedaille wurde uns gleich nach dem Betreten der Anlegestelle überreicht.

Boah, was für ein Glücksgefühl. Und völlige Irritation darüber, wie aus einem Haufen zusammengewürfelter Individuen ein Siegerteam in nur 10 Minuten! geformt werden konnte. Teambuilding in Rekordzeit, wie ich finde. Wir herzten und umarmten uns vor Freude.

In meinen Vorträgen erzähle ich, dass Teambuilding-Maßnahmen heute kaum noch Sinn machen. Die jungen Projekt-Teams von heute sind viel zu sprunghaft und zu wenig Loyal den Unternehmen gegenüber. Das werde ich wohl in neuer Form erzählen. Denn diese Maßnahme hat gezeigt, dass es nicht unbedingt eine Wochenend-Veranstaltung a la Outdoor-Camping-im-Hochseilklettergarten-und-blind-Seile-zusammenbinden sein muss. Es geht besser und schneller.

Haben Sie auch ähnliche, spannende Geschichten zum Thema Teambuilding? Dann schreiben Sie mir doch (Hier gehts zu meinen Kontaktdaten).

 

Ihr Ronald Hanisch

PS: Der Fernsehsender KT1 hat folgenden Beitrag dazu erstellt: