Mit mentaler Stärke zur Silbermedaille im 150. Spiel

Das erste Mal, dass ein österreichisches Team im Finale einer Weltmeisterschaft im Beachvolleyball steht. Clemens Doppler und Alexander Horst werden sensationell Vize-Weltmeister. Auch wenn auf der offiziellen Webseite der beiden steht, dass das erklärte Ziel London 2012 sei, ist es immer das Ziel eines Spitzensportler, auf den großen Bühnen ganz oben zu stehen. Am 06. August 2017 ist der größte Erfolg eingefahren.

Was zeichnet die beiden aus?

  • Jahrelange Erfahrung – beide geben sich dem Spiel „Ball übers Netz“ schon lange vollkommen hin und haben alles andere untergeordnet.
  • Die Konstanz im gesamten Umfeld und unauffällig in der Öffentlichkeit. Es gibt keine Eskapaden bzw. Auffälligkeiten a la Kevin Großkreuz – zumindest sind keine bekannt…
  • Freundschaft und Business vereinen. Eine Freundschaft geht weit über eine professionelle Zusammenarbeit hinaus ist besonders in schwierigen Phasen hilfreich.
  • Gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung. Es ist definitiv einfacher konstante Leistungen zu bringen, wenn das Vertrauen in den Teampartner hoch ist.
  • Körperliche Fitness. Vergangene Verletzungen machen sich zwar bemerkbar, dennoch wird gut daran gearbeitet um längere Ausfälle zu vermeiden.
  • Antizipieren: Das „Lesen“ von gegnerischen Spielzügen.
  • Umstellen – bei Bedarf kann die Spielweise schnell geändert und angepasst werden.

In Sportarten wie dieser, bei der jeder Athlet zu einer Art „Kampfmaschine“ im positiven Sinne geworden ist, muss weit über den Tellerrand trainiert und gearbeitet werden. Eine der wichtigsten Eigenschaften außerhalb von Technik, Kondition und Kraft: Die mentale Stärke.

An der Körpersprache der beiden lässt sich erkennen, wie die Gefühlslage während dem Spiel Einfluss auf kommende Aktionen hat. Der emotional Gefestigte der beiden ist Alexander Horst. Er schafft es, seine Konzentration hoch zu halten und hat die Kraft den sensiblen Clemens Doppler zu motivieren.

Dort wo die physischen Grenzen erreicht werden, macht mentale Stärke den Unterschied.

Mit welchen „Umständen“ hat ein Beachvolleyball-Profi zu tun?

  • Mit rund 100km/h fliegen 270g Ball auf die Spieler. Der gehört gebändigt und unter Kontrolle gebracht.
  • In 2-3 Sekunden müssen die Zellen ihre Energie an die Muskulatur abgeben um dann in 20-30 Sekunden Pause wieder aufladen zu können.
  • Ein Angriff kann nicht mehr „gedacht/überlegt“ werden – Intuition und in Fleisch übergegangene Abläufe ersetzen neuronale Signale.
  • 10.000 Menschen brüllen, springen, tanzen – in der Hoffnung auf einen Sieg.
  • Als Spieler musst du deine Leistung bringen, es gibt kein Nachlassen.
  • Jeder der vier Spieler steht im Mittelpunkt. Ohne Möglichkeit auszuweichen.
  • Medienvertreter fragen permanent ob das nächste Spiel gewonnen werden kann und ob eine Medaille realistisch ist.
  • Der Sandkasten in dem gespielt wird hat bis zu 50 Grad Celsius.
  • Jede Bewegung im Sand ist energieraubend – Energie, die auch für einen kühlen Kopf notwendig ist.

Die Konstellation Doppler / Horst gibt es seit 2012. Um in einer der technisch anspruchsvollsten Sportart erfolgreich zu sein ist es von Vorteil, wenn das gesamte Team bestens eingespielt ist. Dazu gehören nicht nur die beiden Aushängeschilder, sondern auch die Leute, die im Hintergrund permanent daran wirken, damit Höchstleistungen erreicht werden können. Auch dieser Erfolg hat mehrere Gesichter. So trägt jeder einzelne dazu bei, dass die Verantwortung aufgeteilt wird und zu einem „Familien-Unternehmen“ wird.

In diesem Fall hat das Konzept „Familien-Unternehmen“ zum Erfolg geführt. Das dies nicht unbedingt erforderlich ist, beweisen andere Konstellationen. Wie heißt es oft im Business: „Wir arbeiten professionell zusammen, doch mit wem ich Bier trinken gehe, entscheide ich selber.“

In diesem Sinne, herzlichen Glückwunsch zur emotionalen Zusammenarbeit.

Ihr, Ronald Hanisch

Die beiden Athleten im Profil:

Clemens Doppler: Im September 1980 geboren und als 15jähriger der jüngste Spieler der österreichischen Bundesliga. Schön früh wechselte er von der Halle zum „Beachvolley“ und wurde U20 Vize-Europameister.

Alexander Horst: Geboren im Dezember 1982 und mehrfacher Olympiateilnehmer. Seit 2003 spielt er bei der FIVB World Tour. Im genau 150. Spiel der FIVB, davon 68 mit Clemens Doppler, stand er im Finale der Weltmeisterschaft.

Photocredit: Karim Levy, instand4ever.com