Warum Manager versagen müssen

In unseren Unternehmen ist ein Trend wahrnehmbar, der Nachhaltigkeit und Standortsicherung unterbindet. Es scheint paradox zu sein, doch Top-Manager, besonders von Konzernen, werden regelrecht dazu gezwungen.

Erkennbar ist dieser Umstand spätestens dann, wenn die Machthaber mehr IM als AM Unternehmen arbeiten. Sie stecken tief im operativen Geschäft und übersehen, dass Prozesse nicht funktionieren, Abteilungen gegeneinander arbeiten und Ressourcen suboptimal eingesetzt sind.

Manager arbeiten zu viel IM Unternehmen anstatt AM Unternehmen.

Das hat nichts mit der bekannten Betriebsblindheit zu tun, die üblicherweise nach fünf, sechs Jahren Einzug hält. Kann deswegen nicht sein, da viele von den Industriekapitänen schon vorher das Schiff verlassen.

Den meisten Mitarbeitern im Unternehmen fällt dieser Umstand gar nicht auf, da der neue Kollege aktiv im täglichen Geschäft mitmischt und dadurch präsent ist. Das Oberhaupt wird zum Vorbild im Spiel des Präsentismus, also der Omnipräsenz im Büro, und animiert zum nachmachen. Bis zur drohenden Überlastung oder gleich direkt ins nächste Burn-Out, in welche die eingesetzten Manager der mittleren Management-Ebene schlittern.

Manager auf ZeitWas ist der Auftrag?

Beinahe niemand kennt den Auftrag, den der Letztentscheider des Standortes aus der nächsten höheren Ebene der Konzernhierarchie erhalten hat. Dieser ist oft darauf ausgerichtet, bestimmte Werte bis zu einem festgelegten Zeitpunkt zu erreichen. Mit den erhaltenen Anweisungen sind auch konkrete Bonis verbunden. Sind zumindest Teilziele erreicht, wird das Individuum belohnt. Auf Kosten einer strategischen Ausrichtung und langfristigen Arbeitsplatzsicherung des Unternehmens vor Ort mit all ihren ansässigen Lohn- und Gehaltsempfängern.

Im Grunde genommen ist also niemand wirklich „Schuld“ daran, dass ein Standort in Schwierigkeiten kommt. Der Standortleiter hat einen Auftrag erhalten und diesen erfüllt. Zu selten ist in der Zieledefinition die Rede von strategischer Ausrichtung und langfristiger Wertschöpfung die Rede. Das Shareholder-Value-Prinzip wirkt heute noch genauso wie vor 20 Jahren.

Es kommt also lediglich auf den Blickwinkel an, ob Manager versagen oder nicht. Aus der Sicht der Mitarbeiter des Standortes: vielleicht. Aus der Sicht des Top-Top-Managements: ebenfalls, vielleicht. Aus der Sicht des Managers: sicher nicht – sofern dieser Selbstbewusst genug ist.

Wie lange das noch funktionieren wird?

Solange die Weltwirtschaft auf Profit getrimmt ist, wird sich daran nichts ändern. Auch die junge Generation, die mit neuen Ansätzen und Ideen als aufstrebende High-Potentials Veränderungen versprechen, beugt sich letztendlich dem Druck von außen und handelt nach monetären Bedürfnissen. Es ändern sich lediglich die Methoden.

Was ist die Lektion daraus?

Aus der Mitte heraus lässt ich nur in den seltensten Fällen wirklich etwas verändern. Wenn Sie wirklich etwas ändern wollen, dann sollten Sie die oberste Position anstreben. Dann benötigen Sie die nötige Durchsetzungskraft und Ausdauer um Ihr Vorhaben auch durchzuziehen. Wahrscheinlich ist aber, dass Sie dann erst verstehen werden, warum Entscheidet agieren, wie sie eben agieren.

Oder lernen mit den Umständen zu leben und finden einen Weg um mit den täglichen Herausforderungen umzugehen. Es ist tatsächlich leichter als es vielleicht den Anschein hat. Sie haben nicht wirklich die Verantwortungen, die Sie glauben zu haben.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft und die Erkenntnis, dass das Leben einfach sein kann. Auch das Arbeitsleben.

 

Ihr Ronald Hanisch