Modernes Leadership in Projekten

Führung: Erwählt statt Vor-gesetzt

Führung_LeadershipDie neuen Führungskräfte werden anhand neuer Qualitäten erwählt. Bestechung, Prügel, Sheriffstern und Geheimwissen gelten heute natürlich als keine korrekten Mittel der Führung, besser: des Leadership, mehr – dennoch sehe ich den Einsatz dieser Unterwerfungsmethoden auch heute noch in der Praxis. Kein Wunder: Die Methoden funktionieren weiterhin sehr gut.

Als erstrebenswert gelten heute das Charisma- und das Fachkompetenz-Modell als modernes Leadership.

Führung heißt heute also nicht mehr: „Ich gehe mit Zuckerbrot und/oder Peitsche voran.“ Oder: „Ich übe Macht aus durch meine Position oder meinen Wissensvorsprung.“ Stattdessen heißt Führung:

„Ich bin Teil des Teams und das Team folgt mir freiwillig, Kraft meiner fachlichen und persönlichen Autorität.“

Erzwungene Unterwerfung wird abgelöst durch freiwillige Kollaboration.

Projektleiter statt Spezialisten

An dieser Stelle müssen wir allerdings unterscheiden zwischen Führung in der Linie und Führung in Projekten. Denn Konzepte, die in der Linie erfolgreich und bewährt sind, funktionieren nicht ohne weiteres in den Rahmenbedingungen eines Projekts.

Es kommt zu:

 

Führen mit Charisma und Selbstführung

Mit den aktuellen Herausforderungen direkt verbunden sind die neuen Zivilisationskrankheiten zu verstehen – wie Burnout, stressbedingte Ausfälle usw. Wir können die chaotischen Rahmenbedingungen der Wirtschaft, in denen wir heute angekommen sind, eben nicht in die Knie zwingen, indem wir unsere eigene Performance mit immer mehr Apps messen und zu optimieren versuchen.

Im Projektmanagement sehe ich eine doppelte Tendenz:

Entscheidungen treffen

4 Faktoren, welche die Führung von Projektteams zukünftig maßgeblich beeinflussen

 

1Charisma und Kompetenz: Führung durch Bestechung, Strafe, Machtworte und der politische Umgang mit Informationen werden zunehmend ersetzt durch eine Führung via Charisma und überzeugender Kompetenz. Projektmitarbeiter folgen im Idealfall nicht mehr unfreiwillig durch den ausgeübten Druck, sondern freiwillig durch einen wirkungsvollen Sog.

 

2

Dialog und Reflexion: An die Stelle der Anordnung treten gemeinsamer Dialog und Reflexion. So wird eine Entwicklung möglich, die tendenziell zukunftsoffen ist und damit mehr Potenziale bietet als eine vorgesteuerte Entwicklung.

 

3

Ziele: Projektmanagement ist heute nicht mehr möglich, wenn eine Führungskraft versucht, den Weg zu einem Ziel detailliert vorzugeben. Deshalb gilt das ‚Management by Objectives‘ heute als besonders zielführend.

 

4Selbstführung: Da sich die komplexen Rahmenbedingungen eines Projektes oft nicht mehr steuern lassen und Projektmitglieder ebenfalls weitgehend in die Selbstorganisation entlassen worden sind, bleibt Führungskräften kaum mehr übrig, als sich selbst zu führen. Einerseits ist dies eine sinnvolle Überlegung, weil die Fähigkeit zur Selbstführung ein wichtiges Merkmal einer reifen und damit führungsfähigen Persönlichkeit darstellt. Andererseits kann die Überbetonung der Selbstführung im Sinne einer Selbstoptimierung aber auch zur Überforderung führen.

 

Der Umgang mit den neuen Arbeitsweisen will gelernt sein. Ein Coach kann dabei helfen, diese Herausforderungen zu bewältigen. Jeder Spitzensportler hat mindestens einen Coach – gute Führungskräfte oft auch. Und doch wird das Thema meist nicht groß kommuniziert. Meine Empfehlung für Führungskräfte, die zu Spitzenleistungen reifen möchten und dabei modernes Leadership kennen lernen wollen: Nehmen Sie sich professionelle Unterstützung in Form eines Coaches oder Mentors. Oder beides.

 

Ihr Ronald Hanisch

PS: In Zukunft wird die sogenannte „Schwarmintelligenz“ Einzug halten. Diese Form der Selbststeuerung ist zwar selten zu beobachten, funktioniert allerdings. Ich bin der Meinung, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis Teams ohne Führung arbeiten werden.