Spaß am Arbeitsplatz ist unerwünscht

Ein Experiment von Ethan S. Bernstein von der Harvard Business School hat gezeigt, dass Mitarbeiter in der Produktion mehr leisten, wenn diese verdeckt vonihren Chefs arbeiten. Mittels eines Vorhangs sind die Arbeiter unbeobachtet ihren Aktivitäten nachgegangen und erhöhten um 10 bis 15% die Produktion. Laut Bernstein ist es wichtig, die individuelle Privatsphäre der Arbeitnehmer berücksichtigen.

produktives Arbeiten

Was ist daran aktuell?„, werden sich die Arbeiter in der Produktion jetzt vielleicht fragen. Ich kann mich noch daran erinnern wie es bei mir war, als ich als Servicetechniker in den Nachtschichten Maschinen und Anlagen in Schuss hielt. Frei von jeglichen Unterbrechungen und Beobachtungen durch Manager, Chefs und Abteilungsleiter hatten wir immer mehr Output als die beiden andern Schichten, die tagsüber die elektronischen Bauteile herstellten.

Immer? Beinahe immer!

Wie das ging?

Ganz einfach: Wir haben uns wie verrückte aufgeführt. Radios wurden mit voller Lautstärke betrieben, wir tranken Kaffee wann immer wir wollten und mit wem wir wollten. Wir haben quer durch die Hallen uns scherzhaft gegenseitig lautstark angeschrien und angebrüllt. Die laut aufgedrehten Radios wollten übertönt werden. Aus Verpackungen wurden lustige Verkleidungen gebastelt und wir haben uns am Boden gekugelt, wenn wir vor lauter Lachen nicht mehr konnten.

Kurz: Wir hatten Spaß und ein sensationelles Gemeinschaftsgefühl.

Das ging allerdings auch nur mit Leuten, die einen Draht zueinander hatten. Kam einer in’s Team der nicht zu uns passte, der ging recht schnell freiwillig. Zu viel Action. 😉

Was vielleicht nach reinem Spaß aussieht, war dennoch mit viel Arbeit verbunden. Wir haben die Anlagen gewartet, das Verbrauchsmaterial nachgefüllt und bei Störungen entsprechende Reparaturen durchgeführt. Allerdings mit Teamgeist und wirklich viel Spaß. Oft haben wir improvisiert, nur damit die Produktion nicht zum Stillstand kam. Produktives Arbeiten war angesagt, denn sobald was zu tun war, halfen alle mit.

Aus dieser Erfahrung heraus weiß ich, dass die Teams öfter einfach mal losgelassen machen dürfen anstatt den Kollegen permanent auf die Finger zu schauen. Doch leider ist es nicht oft erwünscht, dass Teams richtig Spaß haben und Blödsinn machen dürfen.

Sicher haben Sie schon vom The Fish! Philosophy gehört.

In einem Fisch-Markt in Seattle haben die dortigen Verkäufer jede Menge Spaß und machen Späße mit den Kunden. Sie werfen ihre Fische durch die Gegend und ja: Sie arbeiten. Sie haben durch ihre verrückte Art zu arbeiten Weltberühmtheit erlangt. Inspiriert durch deren Arbeitsweise, hat John Christensen eine Reihe von Büchern geschrieben, Videos erstellt und dabei vier Prinzipien festgehalten:

1) Play – An jedem Arbeitsplatz ist es möglich eine Vielzahl von Spielarten umzusetzen, diese lockern die Atmosphäre auf und Ergebnisse werden leichter erzielt.

2) Make their Day – Anderen etwas Gutes tun und ihnen Freude bereiten verbessert die Arbeitsatmosphäre.

3) Be present – Immer mit den Gedanken da sein, das ist eine wichtige Voraussetzung um erfolgreich zu sein, bei jeder Tätigkeit.

4) Choose your Attitude – Dies soll nicht heißen, dass die eigene Stimmung immer positiv sein muss, frei gewählt hingegen sollte sie  immer sein, ansonsten gerät man leicht in einen Strudel negativen Denkens.

Ich verstehe allerdings die Manager der Unternehmen, wenn sie das unterbinden. Es ist schon richtig störend, wenn man am Computer sitzend vom permanenten Gelächter der Kollegen gestört wird. Die können ja im Keller lachen…

Have fun! Ihr Ronald Hanisch

Hier das inspirierende Kurzvideo zu „The Fish! Philosophy“:

Weitere Quellen:

http://blogs.hbr.org/2013/12/factory-workers-are-more-productive-when-managers-cant-see-them/
http://bedifferentbusinessentertainment.wordpress.com/2011/05/12/the-fish-philosophy-motivation-mal-ganz-anders/