Am Taubengrund – die Grenzen des Sparefroh’s

Es ist exakt 05:01 Uhr in der Früh an diesem Sommer-Donnerstag, als Donner und Lärm wie direkt aus der Hölle oder aus dem Schlund eines gewaltigen Drachen mich aus meinen Träumen reißen. Ein Airbus A320 landet neben mir im Bett.  (Hören Sie rein – Lautsprecher an). Gefühlt. Oder zumindest hört es sich so an. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so dramatisch aufgeweckt worden zu sein.

Vier Wochen davor:

Eine Veranstaltung in Frankfurt wurde soeben bestätigt. Aus Kostengründen suche ich mir ein Hotel in der Nähe des Frankfurter Flughafens. Als Pseudo-Digital-Nativ buche ich für drei Nächte ein Hotel per Booking.com. Von Mittwoch bis Samstag, für € 48.- je Nacht, erscheint günstig. Und es ist nur 2,5 km vom Flughafen entfernt. Das hält auch die Taxikosten sicher im Rahmen, denke ich mir. Immerhin fahre ich 2 x am Tag, drei Tage lang diese Strecke. Es ist gebucht. Die Bestätigung per Mail sofort da.

Da einige meiner Kollegen und Freunde auch bei der Veranstaltung sein werden, gebe ich gleich die tolle Empfehlung weiter. In der Hoffnung, andere buchen sich auch noch ein und wir können weitere Kosten sparen, in dem wir uns das Taxi teilen. Zwei Kollegen buchen dankbar das selbe Hotel.

plane

Es ist Mittwoch und die Anreise in der Boing 747 ist tadellos. Am Frankfurter Flughafen angekommen treff ich sogar ganz zufällig noch einen lieben Freund, den ich seit 2 Jahren nicht mehr gesehen habe. Drei Kaffee’s und eine nette Unterhaltung später erreiche ich nach kurzer Taxifahrt das Hotel „Am Taubengrund“. An der Rezeption die Frau des Inhabers. Die gebürtige Türkin ist superfreundlich und schreibt mir auch gleich die Telefonnummer auf. Nein, nicht ihre. Die der lokalen Taxifahrer. Und übergibt mir den Code für das kostenfreie W-Lan.

Das Zimmer ist klein, das Bad noch kleiner und obwohl es ein Nicht-Raucher-Zimmer ist, stinkt es gewaltig nach kaltem Rauch. Ach ja, es gibt keine Klimaanlage. Das Fenster muss halt durchgehend offen sein – dann kommt zumindest am Abend frische Luft rein und das Geruchsambiente oder Geruchspotpourri können nur besser werden. Es gibt immerhin warmes Wasser. Doch vor lauter Schimmel in den Fliesen-Fugen trau ich mich in der engen Kabine nicht zu atmen. Wer weiß, welche Sporen sich nach dem Einatmen direkt in meiner Lunge festfressen.

Juchuu. Die WC-Spülung funktioniert. Allerdings dauert es minutenlang, bis das, was ich da rein verfrachtet habe auch wegbefördert wird. Wie bei einem Kinder-Karussell dreht sich alles nicht mehr benötigte im Kreis, anstatt in den unendlichen Tiefen zu verschwinden. Und ich werde genötigt dabei zuzusehen, da die Spülung so lange gedrückt werden muss, bis alles sauber ist. Lässt man die Spülung los, endet der Spülprozess. Sofort.. Und es fängt dann noch erbärmlicher an zu stinken.

Ich wasche meine Haare, schamponiere mich ein und genieße den Duft meiner exzellenten Produkte, um Sekunden später wieder den Mief des Zimmers einzuatmen. Das selbe Prozedere mit meinem Haargel. Mein Gott riecht mein Haargel gut. Ich sollte damit meine Nasenhaare auftoupieren. (oder vielleicht doch nicht …) Doch wieder dauert es nur wenige Sekunden, bis der Gestank des Zimmers die Geruchs-Hoheit übernommen hat.

Das gibt aber eine saftige Bewertung auf Booking.com, denke ich mir andauernd. Und ich überlege, welche Bewertungen mich dazu brachten, DIESES Hotel zu buchen? Was habe ich übersehen?Aktuelle Bewertung vom 12. Juni 2014: 5,6 von 10. Und folgende Beschreibung eines Gastes: „Problemloses einchecken. In den – wenn auch kleinen Zimmern (fail) ist alles vorhanden was man braucht.

Stimmt. Das Einchecken war tatsächlich problemlos. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, in welchem Hotel ich jemals wirklich Probleme beim Einchecken hatte. Und ich war schon in einigen. Und auch ja: Das Zimmer hat alles. Auch vieles, das ich nicht bräuchte. Wie den Schimmel, die Gerüche und vermutlich Geziefer, das ich hoffentlich nie zu Gesicht bekomme. Wie üblich gehe ich um ca. 1 Uhr schlafen und, auch wie üblich, dauert es nur wenige Entspannungs-Gedanken um sofort einzuschlafen.

Es ist exakt 05:01 Uhr in der Früh an diesem Sommer-Donnerstag, als Donner und Lärm wie direkt aus der Hölle oder aus dem Schlund eines gewaltigen Drachen mich aus meinen Träumen reißen. Ein Airbus A320 landet neben mir im Bett. Gefühlt. Oder zumindest hört es sich so an. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so dramatisch aufgeweckt worden zu sein.

Flugzeuglandung „Am Taubengrund“

Eine Woche nach dem Aufenthalt die Bewertung, die im Affekt hätte vernichtend  werden sollen. Ja, hätte werden sollen. Denn einer der ersten Fragen war: „Wie würden Sie das Personal bewerten?“ Naja, die beiden Inhaber sind ja super freundlich. Eine weitere Frage: „Wie bewerten Sie die Lage des Hotels?“ Hm. Tja, die Lage ist ja per se nicht schlecht, denn es sind ja nur gut 2 km vom Airport entfernt. Genau das wollte ich. Allerdings muss es dann doch nicht direkt AUF der Landebahn sein.

Okay, in Summe wird’s tatsächlich eine schlechte Bewertung. Was mir leid tut, da ich als notorischer Positiv-Denker ja als erstes die schönen Dinge im Leben sehe und das Negative schnell ausblende. Darum habe ich diesen Beitrag auch sofort geschrieben und nicht erst nach einer Woche. Ansonsten hätte ich eventuell eine klare Empfehlung FÜR das Hotel geschrieben.

Eine ganz liebe Freundin meinte: „Du wirst in Zukunft die besseren Hotels einfach noch mehr zu schätzen wissen als bisher.“ Ich mag ihre positive Art zu denken…

 

Herzlichst, Ihr Ronald Hanisch