Die Macht der Ahnungslosigkeit

Es gibt wirklich verrückte Rennen auf dieser Welt. Im Besonderen die Laufrennen und die Distanzen dazu. Ein gewisser Pheidippides rannte um 490 vor Christi-Geburt knapp 40 Kilometer, nur um zu verkünden, dass die Schlacht um Marathon gewonnen sei. Und verstarb danach wegen der ungewohnten Strapazen.

Heute werden Marathonläufe in attraktiven Großstädten von Tausenden beendet – und erfreuen sich bester Gesundheit. Und weil diese Strecke für einige uninteressant zu sein scheint, haben sich sogenannte Ultramarathons entwickelt. Eines der längsten Rennen ist derzeit ca. 5.000 Kilometer und dauert für die Besten um die 45 Tage (Self-Transcendence 3.100 Mile Race).

laufenIn Australien 

…findet seit vielen Jahren eines der weltweit härtesten Langstrecken-Rennen von Sydney nach Melbourne statt. Die Strecke ist etwa 875km lang und in der Regel dauerte es fünf Tage, bis die durchtrainierten Weltklasse-Athleten das Ziel erreichen.

Im Jahr 1982 änderte sich einiges. Unter all den Vorzeige-Athleten mischte sich ein älterer Herr in Arbeitskleidung und -schuhe. Er wurde höflich gebeten zu den anderen Zuschauern zu gehen, doch er zeigte seine Startnummer und gab zu verstehen, dass er Teilnehmer sei. Großes Staunen. Nicht nur sein Outfit entsprach nicht wirklich dem, wie es die restlichen Läufer handhabten. Auch sein Alter sorgte für Verwirrung. Er war 61 Jahre alt und ganz offensichtlich nicht für diese Distanz trainiert. „Du bist verrückt, es gibt keine Möglichkeit für dich, dieses Rennen zu beenden!“, sagten Verantwortliche der Veranstaltung zum Exoten.

cliff-young-marathonAlbert Ernest Clifford Young

…war Schafhirte und wuchs auf einem Bauernhof auf, an dem es weder Pferde noch Traktoren gab. Wenn wieder einmal eines der 2.000 Schafe ausbüxte, dann kam es schon vor, dass Cliff, wie er genannt wurde, zwei oder drei Tage unterwegs war um es zu finden und zurück zur Herde zu bringen. Das brachte ihm aus seiner Sicht genug Training.

Das Rennen wurde mit ihm gestartet und schnell liefen ihm die Profis, die allesamt unter 30 Jahre waren, auf und davon. Zur Belustigung der Zuschauer wurde der ganz eigenartige Laufstil von Cliff kommentiert und die Sorge um ihn wurde noch größer.

 

Wie Hase und Schildkröte

Alle Athleten trachteten danach, 18 Stunden zu laufen und 6 Stunden zu schlafen. Doch Cliff Young wusste das nicht. Er hatte keine Ahnung, welche Strategien notwendig waren um das Rennen beenden geschweige denn gewinnen zu können. Am nächsten Morgen war die Verwunderung groß. Nicht nur, dass Cliff noch immer im Rennen war, nein, er hat auch gar nicht geschlafen! Er lief, bzw. joggte einfach weiter. Nach seiner Taktik befragt erklärte er zum allgemeinen Unglauben, dass er bis zum Ende des Rennens nicht schlafen wolle.

Und er lief einfach weiter. Nacht für Nacht kam er der Spitzengruppe näher um an Ende des Rennens als erster die Ziellinie zu überqueren und noch dazu mit neuem Streckenrekord. Bei der Siegerehrung wurde ihm das Preisgeld von $ 10.000.- überreicht. Er wollte so viel Geld nicht und teilte es auf mehrere Läufer auf, was zu noch größerer Bekanntheit seiner Person führte.

Nichts wissen macht auch nichts

Viel zu oft planen wir und machen Dinge so, wie es schon immer gemacht wurde bzw. so, wie es andere gemacht haben. Ab und zu ist das sicher gut so. Besonders dann, wenn Ziele einfach nur erreicht werden wollen.

Wenn Ziele besser, schneller erreicht werden wollen oder Maßnahmen nicht die gewünschten Ergebnisse bringen, dann müssen bekannte Wege verlassen werden. Da sind zu viele Informationen hinderlich. Es ist bekanntlich leichter etwas ohne Vorkenntnisse durchzuführen, als bereits gelerntes zu ändern.

 

Herzlichst, Ihr Ronald Hanisch

 

PS: Der eigenartige Laufstil wurde als „Cliff-Young-Shuffle“ benannt. Cliff’s Strategie wurde in Folge von vielen übernommen.